FILM » Caroline Link


Caroline Link
Regisseurin
Oscar-Preisträgerin 2003

Für die kreative Entwicklung junger Menschen spielen richtige Erlebnisse zur richtigen Zeit eine große Rolle. Wenn man als Kind oder Jugendlicher zu früh Brecht, Böll oder Kafka in die Hand gedrückt bekommt, dann kann einem das für lange Zeit die Lust an anspruchsvoller Literatur verderben, während einem das richtige Buch im richtigen Alter auf eine weite Reise in die Welt der Phantasie und Leidenschaft mitnehmen kann.

Ich hatte in der achten Klasse einen Deutschlehrer, der konnte wie kein anderer Goethe rezitieren und für mich lebendig machen. Dieser Deutschlehrer schaffte es, mich für den Klang von Worten und Sprache sensibel zu machen. Ich hörte einfach zu und fühlte mich ein.

Oder mein Kunstlehrer, der mich immer zwang, ein Bild in seinem gesellschaftlichen Kontext zu verstehen. Was waren die politischen Verhältnisse zu dieser Zeit?

 

Was wurde gerade erfunden, was waren die Sorgen der Menschen? Mich hat er oft auch provoziert, mit seinem ganz persönlichen Geschmack, seinen Abneigungen, Theorien und Vorlieben. Das hat mich manchmal auf die Barrikaden gebracht, manchmal ziemlich fasziniert. Oft wurde gestritten und diskutiert. Aber der Unterricht war nie langweilig. Immerhin haben mich solch starke Lehrerpersönlichkeiten dazu gebracht, als Facharbeit einen eigenen Trickfilm zu drehen.

Alle diese Lehrer, die sich selbst so massiv und zuweilen sehr privat in den Unterricht eingebracht haben und deren Leidenschaft für mich als Jugendliche so ansteckend war, hatten ein gemeinsames Problem: den allzu reglementierten Lehrplan. Spontanbesuche im Museum oder Ausflüge durch die Stadt, um irgendwo anzuhalten und zu zeichnen, blieben kostbare Ausnahmen. Dabei lässt sich Kreativität nicht in feste Normen pressen. Das weiß ich heute besser denn je. Auch heute schreibe ich meine ersten Drehbuchideen am liebsten in irgendeinem Café oder auf einer Parkbank im Englischen Garten. An solchen Tagen fällt mir zu Hause einfach nichts ein und ich suche mir Anregungen von außen. Das Außerplanmäßige, was die Schüler fordert und überrascht und den Lehrern einen größeren Freiraum schenkt, wird den Kindern und Jugendlichen Anregungen bieten, die im „normalen“ Unterricht eher die Ausnahme bleiben. Begegnungen mit starken Persönlichkeiten, Künstlern aber auch Pädagogen haben meine Lust auf Kreativität elementar geprägt und werden dies auch für die heutigen Kinder und Jugendlichen tun.

Deshalb unterstütze ich die Ideen, Ziele und Projekte der Stiftung art 131, weil sie für meine Vorstellung von Schule und kultureller Bildung einen wesentlichen Beitrag leisten.

Caroline Link